Zum Hauptinhalt
wonderhair

Ratgeber

Haarfarben verstehen: Entstehung, Unterschiede und Veränderungen

Wie natürliche Haarfarbe entsteht, welche Rolle Melanin und mehrere Gene spielen und warum sich Haare durch Entwicklung, Alter oder äußere Einflüsse verändern.

Hauptthema: Haarfarben

War dein Haar als Kind heller als heute? Oder sind die Spitzen im Sommer heller als der Ansatz? Beides kann vorkommen, hat aber nicht unbedingt denselben Grund.[2][5] Entscheidend ist, ob sich die Farbe beim Nachwachsen oder am bereits gewachsenen Haar verändert.

Hier erfährst du die gemeinsamen Grundlagen natürlicher Haarfarben. Blond, Braun, Schwarz, Rot sowie Grau und Weiß ordnen wir knapp ein. Einzelporträts und Färbeanleitungen gehören nicht zu diesem Überblick.

Wie deine natürliche Haarfarbe entsteht

Die natürliche Farbe wird beim Wachstum angelegt. Im unteren Bereich des Haarfollikels, dem Haarbulbus, bilden Melanozyten das Pigment Melanin. Melanozyten sind pigmentbildende Zellen. Ihre kleinen Zellbestandteile, in denen Melanin entsteht, heißen Melanosomen.[1]

Die pigmenthaltigen Einheiten werden an benachbarte Zellen weitergegeben und in die entstehende Haarfaser eingebaut.[1] Die Farbe ist also Teil der Faserbildung, kein nachträglicher Anstrich.

Wichtig für Ansatz und Spitzen: Die aktive Pigmentbildung ist an die Wachstumsphase gekoppelt.[1][4] Bereits herausgewachsene Längen werden nicht laufend von innen nachgefärbt.

Mehr zur Schuppenschicht und zum Inneren der Faser findest du im Eintrag zum Haaraufbau.

Zwei Pigmentformen, viele Farbtöne

Melanin ist ein Sammelbegriff für Pigmente. Für die natürliche Haarfarbe sind vor allem zwei Formen wichtig:[1]

  • Eumelanin trägt braune bis schwarze Farbtöne bei.
  • Phäomelanin, auf Englisch „pheomelanin“, trägt gelbliche bis rötliche Farbtöne bei.

Wie viel von beiden vorhanden ist und in welchem Verhältnis sie vorkommen, prägt die sichtbare Farbe.[1][2] Rotes Haar enthält deshalb nicht nur einen isolierten „Rotfarbstoff“. Auch dunkles Haar kann andere Pigmentanteile enthalten.[2]

Menge und Verteilung der Pigmente sowie Eigenschaften der Faser tragen zur Vielfalt bei.[1][3] Haarfarben gehen daher fließend ineinander über. Als grobe Orientierung gilt:[2][4]

  • Blond: vergleichsweise wenig Eumelanin.
  • Braun und Schwarz: stärkere Eumelaninpigmentierung, mit fließenden Abstufungen.
  • Rot: ein relativ hoher Beitrag von Phäomelanin neben Eumelanin.
  • Grau und Weiß: nachlassende beziehungsweise weitgehend fehlende Pigmentierung, kein zusätzliches graues Pigment.

Bezeichnungen wie dunkelblond oder hellbraun haben keine weltweit einheitliche, scharfe Grenze. Ein Farbname verrät weder die genaue Pigmentzusammensetzung noch die beteiligten Genvarianten.

Die Begriffe erklärt auch der Lexikoneintrag Melanin.

Haarfarbe wird nicht von einem einzigen Gen bestimmt

Viele Gene beeinflussen die Pigmentbildung. Gut untersucht ist MC1R, ein Gen, das an ihrer Steuerung beteiligt ist. Es erklärt aber nicht allein die gesamte Farbvielfalt.[2]

Eine große genetische Studie fand zahlreiche Stellen im Erbgut, die mit Haarfarbe zusammenhängen. Diese Art von Untersuchung heißt genomweite Assoziationsstudie: Sie sucht nach Zusammenhängen zwischen Genvarianten und einem Merkmal.[3]

Untersucht wurden unter anderem Daten der UK Biobank und von 23andMe. Die Teilnehmenden gaben ihre natürliche Haarfarbe im Erwachsenenalter selbst an; die Analysen waren auf Menschen europäischer Abstammung beschränkt.[3]

Daraus folgt keine einfache Vorhersage für eine Familie. Die Faustregel „dunkel ist dominant, hell ist rezessiv“ reicht für das Zusammenspiel vieler Varianten nicht aus.[2][3] Auch lassen sich Ergebnisse aus einer untersuchten Bevölkerungsgruppe nicht automatisch auf alle Menschen übertragen. Die Studie liefert weder starre Herkunftskategorien noch eine sichere Vorhersage deiner Haarfarbe.[3]

Warum helles Kinderhaar dunkler werden kann

Helles Haar in der frühen Kindheit muss nicht so bleiben. Besonders bei Menschen europäischer Abstammung ist beschrieben, dass es bis ins Jugendalter dunkler werden kann.[2]

Dabei werden nicht plötzlich die Erbanlagen ausgetauscht. Vielmehr kann sich die Pigmentbildung während der Entwicklung verändern. Die genauen altersabhängigen Mechanismen sind nicht vollständig geklärt. MedlinePlus nennt hormonelle Einflüsse ausdrücklich als mögliche, noch vermutete Erklärung.[2]

Dein Kinderfoto und deine heutige Ansatzfarbe müssen also nicht übereinstimmen. Daraus allein lässt sich keine bestimmte Ursache oder ein ungewöhnlicher Verlauf ableiten.

Warum Haare grau oder weiß werden

Mit dem Alter kann die Pigmentierung nachlassen. Zwischen weiterhin pigmentierten Haaren fallen dann zunehmend helle bis weiße Fasern auf.[2][4] Es entsteht kein neuer grauer Farbstoff.

Ergrauen hat nicht nur einen Auslöser. Ein dermatologischer Fachreview – eine Übersicht über Forschungsarbeiten – beschreibt unter anderem Veränderungen der pigmentbildenden Zellen und ihres Zusammenspiels, Schäden durch oxidative Prozesse, Zellalterung und eine gestörte Pigmentübertragung. Oxidative Prozesse sind chemische Reaktionen, die Zellen schädigen können. Welche Faktoren wie stark beitragen, unterscheidet sich zwischen Menschen.[4]

Die Erklärung „Die Pigmentvorräte sind leer“ greift deshalb zu kurz. Auch lassen sich Befunde aus Mäusen nicht einfach auf Menschen übertragen. Einzelne Berichte über erneute Pigmentierung belegen keine verlässliche Anti-Grau-Pflege und kein allgemeines Rückfärbeversprechen.[4]

Wann deine Haare ergrauen, lässt sich aus der Haarfarbe oder einer einfachen Vererbungsregel nicht sicher berechnen.[2] Ein ausführliches Grau-/Weiß-Porträt bleibt einem eigenen Artikel vorbehalten.

Was Sonne und Blondierung an den Längen verändern

Sonnenlicht kann bereits gewachsene Haare verändern. Melanin nimmt Strahlung auf und trägt zum Schutz der Faser bei. Dabei können die Pigmente selbst abgebaut oder ausgebleicht werden – die Längen verändern ihre Farbe.[5]

Eine hellere Spitze ist nicht dasselbe wie eine veränderte Pigmentbildung am Ansatz. Die natürliche Pigmentierung des wachsenden Haars ist an den Haarzyklus gekoppelt.[1][4] Du kannst die Bräunung der Haut deshalb nicht einfach mit einer Farbveränderung der sichtbaren Haare gleichsetzen.

UV-Licht kann auch die Faserstruktur schädigen. Wie stark sich Farbe und Material verändern, hängt unter anderem von der Pigmentierung und der Belastung ab.[5] Helleres Haar ist daher kein Beweis für besonders gesundes oder gut gepflegtes Haar.

Bei einer Blondierung werden natürliche Melaninpigmente durch Oxidation, eine chemische Reaktion, verändert. Dabei kann auch die Haarfaser beansprucht werden.[5] Sonne, Blondierung und Ergrauen können zwar zu helleren Haaren führen, beruhen aber auf unterschiedlichen Vorgängen.

Natürliche Farbe ist nicht dasselbe wie kosmetische Färbung

Natürliche Pigmentierung entsteht bei der Haarbildung. Kosmetische Färbung verändert dagegen die vorhandene Faser: Je nach Verfahren lagern sich Farbstoffe vor allem an oder entstehen durch chemische Reaktionen im Haar.[1]

Eine dunkel gefärbte Länge zeigt daher nicht, wie viel natürliches Eumelanin ursprünglich enthalten war. Umgekehrt verändert eine Blondierung nicht die genetische Grundlage deiner Haarfarbe.[1][5]

Wenn du deine Ausgangsfarbe einordnen möchtest, schau getrennt auf unbehandelten Nachwuchs, länger der Sonne ausgesetzte Längen und gefärbte Bereiche. Diese Beobachtung ersetzt keine Pigmentmessung. Eine Anleitung zum Färben oder eine Bewertung einzelner Produkte findest du hier bewusst nicht.

Häufige Missverständnisse auf einen Blick

  • „Jede Haarfarbe gehört zu genau einem Gen.“ Mehrere Gene wirken zusammen.[2][3]
  • „Rotes Haar enthält nur Phäomelanin.“ Auch Eumelanin kann beitragen; Menge und Verhältnis sind entscheidend.[2]
  • „Grau ist eine dritte Melaninart.“ Ergrauen bedeutet nachlassende Pigmentierung, nicht neues graues Pigment.[4]
  • „Sonne färbt Haare wie eine Bräunung der Haut.“ An der sichtbaren Faser können Pigmente abgebaut werden. Das ist etwas anderes als die Pigmentbildung im Follikel.[4][5]
  • „Die Haarfarbe verrät die passende Pflege.“ Sie beschreibt nur eine Eigenschaft. Wellenmuster, Faserdicke, Behandlungsschäden und Kopfhautbedürfnisse sind andere Fragen.

Fazit: Erst auf Ansatz und Längen schauen

Deine natürliche Haarfarbe entsteht durch Melanin beim Haarwachstum. Menge und Verhältnis von Eumelanin und Phäomelanin prägen die Farbtöne.[1] Viele Gene wirken mit; Entwicklung und Alter können die Pigmentierung verändern.[2] Sonne und kosmetische Verfahren verändern dagegen auch bereits gewachsene Längen.[5] Wenn du Farbe einordnen möchtest, halte diese Vorgänge auseinander.

Zum Vertiefen findest du die Begriffe Melanin, Haaraufbau und Haarfollikel und Haarzyklus im Lexikon. Wenn du Farbe von Wellenmuster und Faserdicke abgrenzen möchtest, hilft dir außerdem der Ratgeber „Welcher Haartyp bin ich?“.

Quellen

Gezielt weiterlesen